Verfahren gestartet: Beteiligen Sie sich am deutschen Umsetzungsbericht zum PRTR-Protokoll!

Zurzeit erstellen wir einen Bericht darüber, wie wir in Deutschland die Anforderungen des internationalen PRTR-Protokolls  zum Aufbau und Betrieb eines Schadstofffreisetzungs- und Verbringungsregisters umgesetzt haben. Das Protokoll sieht vor, dass alle Staaten, die es ratifiziert haben, einen solchen „Umsetzungsbericht“ erstellen. So kann auf der nächsten PRTR-Vertragsstaatenkonferenz im Juni 2014 kontrolliert und dokumentiert werden, ob die Anforderungen korrekt umgesetzt sind.

Bis Mitte Dezember 2013 müssen die Berichte im UN-ECE-Sekretariat eingehen. Dort wird aus den einzelnen Berichten der Länder eine übersichtliche Zusammenfassung („Synthesis-Report“) für die Konferenz erstellt.

Wie Sie mitmachen können

Bei der Erstellung des deutschen Umsetzungsberichtes beteiligen und konsultieren wir die Öffentlichkeit in einem transparenten Prozess. Ein erster Entwurf des deutschen Umsetzungsberichtes liegt mittlerweile vor. Sie können ihn bis 24.11.2013 kommentieren. In diesem Entwurf finden Sie sowohl erläuternde Hintergrundinformationen zu den einzelnen Fragen als auch die Antwortentwürfe dazu.

Bitte schreiben Sie Ihre Anmerkungen und Kommentare an mail(at)thru.de. Alle Einsendungen werden in der Endfassung des Berichts berücksichtigt. Wir freuen uns auf Ihr Feedback. 

In der Rubrik Downloads finden Sie den Beschluss der ersten PRTR-Vertragsstaatenkonferenz aus dem Jahr 2010 zur Erstellung der Umsetzungsberichte, einmal in der englischen Originalfassung und in einer deutschen Übersetzung. 

Hintergrund

Im sogenannten „Protokoll über Schadstofffreisetzungs- und -verbringungsregister“ (kurz: PRTR-Protokoll ) haben sich Deutschland und die EU sowie einige weitere Staaten dazu verpflichtet, Register über die Freisetzung und Verbringung von Schadstoffen aufzubauen und zu betreiben.

Im jetzigen Register www.thru.de finden Sie Informationen zu Schadstofffrachten und Abfallmengen von knapp 5.000 Industriebetrieben in Deutschland für die Jahre 2007 bis 2011. Die Betriebe sind verpflichtet, diese Informationen zu melden, sobald ihre Abfälle oder die Schadstoffe, die sie in Luft, Boden oder Wasser freisetzen, eine bestimmte Menge überschreiten.

 

Stand: Oktober 2013


Beteiligen Sie sich am deutschen Umsetzungsbericht zum PRTR-Protokoll!

Zurzeit erstellen wir einen Bericht, wie wir in Deutschland die Anforderungen des PRTR-Protokolls zum Aufbau und Betrieb eines Schadstofffreisetzungs- und Verbringungsregisters umgesetzt haben. Das Protokoll sieht vor, dass alle Staaten, die es ratifiziert haben, einen solchen „Umsetzungsbericht“ erstellen, damit die korrekte Umsetzung der Anforderungen auf der nächsten PRTR-Vertragsstaatenkonferenz im Juni 2014 kontrolliert werden kann.
Bis Mitte Dezember 2013 müssen die Berichte im UN-ECE-Sekretariat eingehen. Dort wird aus den einzelnen Länder-Berichten eine übersichtliche Zusammenfassung („Synthesis-Report“) für die Konferenz erstellt.


Wie Sie mitmachen können

Wie im PRTR-Protokoll vorgesehen, können Sie sich an der Erstellung des deutschen Umsetzungsberichtes beteiligen.

In der Rubrik Downloads finden Sie den Beschluss der ersten PRTR-Vertragsstaatenkonferenz aus dem Jahr 2010 zur Erstellung der Umsetzungsberichte, einmal in der englischen Originalfassung und in einer deutschen Übersetzung. Im dazugehörigen Anhang stehen die Fragen, die im Bericht zu beantworten sind. Sie betreffen die rechtliche Umsetzung in Deutschland und die praktische Umsetzung des deutschen Schadstoffregisters. Da sowohl der Beschluss, als auch die Fragen im Anhang nicht so gut verständlich formuliert wurden, möchten wir Ihnen die Hintergründe des Umsetzungsberichtes sowie den Kontext der Fragen und deren Bezug zum PRTR-Protokoll leichter verständlich aufbereiten. Diese Fassung stellen wir Ihnen voraussichtlich im August 2013 zur Verfügung. Etwa im September stellen wir Ihnen hier den ersten Entwurf des deutschen Umsetzungsberichtes vor, den Sie anschließend bis Ende Oktober 2013 kommentieren können.

Bereits jetzt können Sie uns Ihre Anmerkungen zur Beantwortung der Fragen mitteilen. Schreiben Sie einfach eine E-Mail an mail(at)thru.de.


Hintergründe

Im sogenannten "Protokoll über Schadstofffreisetzungs- und -verbringungsregister", kurz: PRTR-Protokoll, haben sich Deutschland und die EU sowie einige weitere Staaten dazu verpflichtet, Register über die Freisetzung und Verbringung von Schadstoffen aufzubauen und zu betreiben.

Das Protokoll trat im Oktober 2009 in Kraft. Schon davor, im Juni 2009, schaltete Deutschland freiwillig sein Register unter der damaligen Adresse www.prtr.bund.de mit Daten aus dem Berichtsjahr 2007 frei.
Im jetzigen Register www.thru.de finden Sie Daten zu Schadstofffrachten und Abfallmengen von knapp 5.000 Industriebetrieben in Deutschland für die Jahre 2007 bis 2011. Die Betriebe sind gemäß dem PRTR-Protokoll zur Meldung ihrer Daten verpflichtet, sobald ihre Abfälle oder die Schadstoffe, die sie in Luft, Boden oder Wasser freisetzen, eine bestimmte Menge überschreiten.

 

Stand: Juli 2013


Ammoniak aus der intensiven Geflügelhaltung

94 Prozent der Ammoniakfreisetzungen in Deutschland stammen aus der Landwirtschaft. Landwirtschaft umfasst verschiedene Betriebszweige, wie z.B. Mastschweinehaltung, Milchviehhaltung oder auch Ackerbau und ist für verschiedene Umweltauswirkungen verantwortlich. Das Hauptproblem von Ammoniak in der Umwelt ist die Versauerung und Nährstoffüberversorgung ("Überdüngung") von empfindlichen Lebensräumen wie z.B. Wäldern, Gewässer oder Feuchtgebieten. Ammoniak entsteht beim Abbau der tierischen Ausscheidungen (Kot und Harn). So kommt Ammoniak zumeist in den Ställen vor und wenn Felder mit Gülle und Mist gedüngt werden. Zur Verringerung der Ammoniakemissionen aus der Tierhaltung werden verschiedene Maßnahmen durchgeführt. In der Schweinehaltung führt vor allem die eiweißangepasste Fütterung zu niedrigeren Ammoniakfreisetzungen, in der Geflügelhaltung vor allem die Kottrocknung.

Seit 2010 hat die Bundesregierung einen Höchstwert für den Ausstoß von Ammoniak von 550 Kilotonnen im Jahr festgelegt. Für einzelne landwirtschaftliche Betriebe gibt es einen Schwellenwert für Ammoniak von zehn Tonnen pro Jahr. Überschreiten die Betriebe diesen Wert, müssen Sie das melden. Das gilt zum Beispiel für Betriebe, die mindestens 40.000 Plätze für Geflügel oder mindestens 2.000 Mastschweineplätze (über 30 Kilogramm) oder mindestens 750 Plätze für Sauen haben. Hat ein Betrieb einen Emissionsschwellenwert für einen Schadstoff überschritten, wird dies auf Thru.de veröffentlicht.

Über 200 Überschreitungen im Jahr 2010

Allein aus der intensiven Geflügelhaltung haben 203 Betriebe den Schwellenwert für Ammoniak im Jahr 2010 überschritten. In den letzten drei Jahren hat sich Zahl der Betriebe bei circa 200 eingependelt. Die mit Abstand meisten Betriebe (85) liegen in Niedersachsen, gefolgt von Sachsen-Anhalt (30) sowie Bayern (17), Mecklenburg-Vorpommern (15), Sachsen (14), Brandenburg (12) und Thüringen (11). Die Karte zeigt eine deutliche Konzentration der Betriebe im Nordwesten von Niedersachsen, in Sachsen-Anhalt – mit nordwestlichem Sachsen – und im Osten Bayerns. In den übrigen Bundesländern sind die Betriebe gleichmäßiger verteilt.


Die Karte erfasst alle Geflügelhaltungsbetriebe, die jährlich mehr als zehn Tonnen Ammoniak in die Luft freisetzen. 2010 waren es zusammen 6.056,6 Tonnen. Die Schattierung der Punkte in der Karte zeigt die jeweilige Größenordnung der vom Betrieb freigesetzten Ammoniakmengen im Jahr 2010. Die meisten der Geflügelhaltungsbetriebe, nämlich 106, setzten zwischen zehn und 20 Tonnen Ammoniak pro Jahr frei. 79 Betriebe emittieren jeweils zwischen 20 und 50 Tonnen Ammoniak pro Jahr. Nur neun Betriebe setzten zwischen 50 und 100 Tonnen frei und ebenfalls neun Betriebe mehr als 100 Tonnen.

 

Stand: März 2013


Quecksilber aus Industriebetrieben in Deutschland

Quecksilber und seine Verbindungen sind für Ökosysteme, Lebewesen und den Menschen hoch giftig. Die stärkste Giftwirkung geht von Methylquecksilber aus, das sich besonders in Fischen und Schalentieren anreichert. So gelangt es auch in unsere Nahrungskette.

Quecksilber wird einerseits aus natürlichen Quellen wie Vulkanen freigesetzt. Aber auch bei industriellen Prozessen entsteht  es. Besonders beim Verbrennen von fossilen Brennstoffen wie zum Beispiel Kohle für die Energieerzeugung. Diese gasförmigen Freisetzungen werden in der Luft  über alle Landesgrenzen verteilt. Da weltweit viele neue Kohlekraftwerke geplant sind, ist global mit weiter steigenden Quecksilberfreisetzungen in den nächsten Dekaden zu rechnen. Zusätzlich wird Quecksilber auch in vielen verschiedenen Produkten eingesetzt. Auch bei  der Goldgewinnung, in der Chlor-Alkali-Industrie zur Herstellung chemischer Grundstoffe sowie in Kompaktleuchtstofflampen wird Quecksilber eingesetzt.

Bekannt wurde die Gefahr von Quecksilber durch die sogenannte Minamata Krankheit, bei der in den 1950er-Jahren tausende Menschen in der Stadt Minamata an chronischer Quecksilbervergiftung erkrankten und teilweise starben. Ein Chemiebetrieb hatte damals quecksilberhaltige Abwässer in die Yatsushiro-See eingeleitet. Das Methylquecksilber reicherte sich in der Nahrung der Anwohner an und rief die Vergiftungen hervor. Die schädlichen Auswirkungen von Quecksilber auf die menschliche Gesundheit sind seitdem unbestritten.

Die EU beschäftigt sich schon seit langer Zeit mit der Quecksilber-Problematik. So hat sie im Jahr 2005 eine Quecksilberstrategie auf den Weg gebracht, die Freisetzungen von Quecksilber in die Umwelt begrenzen soll. Bisher gibt es jedoch keinen EU-weiten Grenzwert für Freisetzungen von Quecksilber aus Kraftwerken.

Die Vereinten Nationen verabschiedeten am 19. Januar 2013 eine Konvention die den Eintrag von Quecksilber weltweit begrenzen soll. So sollen zukünftig beispielsweise Emissionen aus Kraftwerken und der Metallindustrie weltweit gemindert werden.
Die in Thru.de veröffentlichten Quecksilbermengen ergeben sich aus der PRTR-Berichterstattung: Betriebe, die mehr als zehn Kilogramm Quecksilber pro Jahr in die Luft oder mehr als ein Kilogramm Quecksilber pro Jahr in Wasser, Abwasser oder Boden freisetzen, müssen darüber berichten.

 


Die Abbildung zeigt ein Säulendiagramm. Jede Säule stellt die Quecksilbermengen in den Jahren 2007 bis 2010, bestehend aus Ihren Anteilen für die Umweltkompartimente Luft, Wasser und Abwasser dar.
Abb. 1: Jahresmengen von Quecksilber

Die Zahl dieser Betriebe, die den Schwellenwert für Quecksilber überschritten, ging zwischen 2007 und 2009 von 193 auf 179 leicht zurück. In 2010 erfolgte ein Anstieg auf 185 Betriebe. Dieser Trend spiegelt sich auch bei den insgesamt freigesetzten Mengen wider (Abb. 1). Die mit Abstand höchsten Quecksilbermengen werden in die Luft freigesetzt. Mit großem Abstand  folgen die mit dem Abwasser an externe Kläranlagen weitergeleiteten Mengen und Einleitungen in Gewässer. Freisetzungen in den Boden werden bisher von keinem Betrieb gemeldet. Quecksilber, das von den Betrieben mit dem Abwasser in externe Kläranlagen gelangt, wird dem Abwasser dort zu einem großen Teil entzogen. Das Quecksilber gelangt dadurch nicht in die Gewässer, sondern wird mit dem Klärschlamm entsorgt. Daher ergibt sich aus der Summe der  Teilmengen  nicht die Gesamtmenge für Deutschland.

Die Verteilung der Quecksilbermengen (Abb. 2) auf die einzelnen Branchen (für Luft, Abwasser und Wasser zusammen) zeigt, dass der Energiesektor mit 65 Prozent den größten Anteil ausmacht. Danach folgen mit kleineren Anteilen die Metallindustrie (14 %), Mineralverarbeitung (8 %) und Chemische Industrie (7 %) sowie die Abfall-und Abwasserbewirtschaftung (5 %). Den geringsten Anteil hat die Papier- und Holzindustrie mit einem Prozent. Bei den Betrieben der Energiebranche stammt der mit Abstand größte Teil aus den 51 Kraftwerken. Dabei handelt es sich fast ausschließlich um Stein- bzw. Braunkohlekraftwerke. In der Metallindustrie sind hauptsächlich Betriebe aus dem Sektor Roheisen- oder Stahlherstellung (8 Betriebe) vertreten.


Die Abbildung zeigt die Anteile der verschiedenen Industriebranchen an den Quecksilbermengen, die in Luft oder Wasser freigesetzt werden oder mit dem Abwasser in externe Kläranlagen verbracht werden. Der Balken ist entsprechend der Anteile der Branchen u
Abb. 2: Branchenanteile der Quecksilbermengen

Die regionale Verbreitung der Betriebe in Abb. 3, spiegelt auch die branchenspezifische Verteilung wider. Die Betriebe mit den höchsten Freisetzungen von Quecksilber in die Luft befinden sich im Mitteldeutschen, im Lausitzer und im Rheinischen Kohlerevier und sind allesamt Kraftwerke. Die Konzentration der Betriebe im Ruhrgebiet wird durch die Vielzahl der dort ansässigen metallverarbeitenden Betriebe zusätzlich erhöht.
 


DIe Abbildung zeigt eine Deutschlandkarte, in der alle Standorte von Industriebetrieben markiert sind, an denen Betriebe mit Quecksilber mengen in Luft, Wasser oder Abwasser stehen. Die Betriebe sind dabei in 4 Klassen eingeteilt: 10 bis 100 kilogramm pro
Abb. 3: Quecksilbermengen von Betrieben in Deutschland

Die fünf Betriebe mit den höchsten Quecksilbermengen (TOP 5, Tab.1) befinden sich in Sachsen (SN), Brandenburg (BB), Nordrhein-Westfalen (NW) und Niedersachsen (NI). Die TOP-5-Betriebe, außer Weser-Metall, setzen Quecksilber in die Luft frei. Diese vier Betriebe stammen aus dem Energiesektor und sind ausnahmslos Braunkohlekraftwerke. Weser-Metall ist der einzige Betrieb der TOP 5 aus der Metallindustrie. Der Betrieb leitet Quecksilber ausschließlich mit dem Abwasser in externe Kläranlagen ein. Seine Meldungen sind seit 2008 deutlich rückläufig.

 

Tab.1 Betriebe mit den höchsten Quecksilbermengen (kg/a)

NameOrtBranche2007200820092010

Vattenfall Lippendorf

Böhlen (SN)

Energiesektor

325

686

1070

1160

Vattenfall Jänschwalde

Peitz (BB)

Energiesektor

500

425

348

592

RWE Niederaußem

Bergheim (NW)

Energiesektor

548

442

467

499

Weser-Metall

Nordenham (NI)

Metallindustrie

288

712

598

428

RWE Weisweiler

Eschweiler (NW)

Energiesektor

439

412

276

271

 

Besonders auffällig ist das Vattenfall-Kraftwerk Lippendorf in Böhlen mit deutlich steigenden Freisetzungsmengen bis 2010. Seit 2009 war die gemeldete Menge annähernd doppelt so hoch wie der jeweils zweitplatzierte Betrieb. Dabei ist das 2010 zweitplatzierte Kraftwerk das größte Braunkohlekraftwerk Deutschlands:  Das Vattenfall-Kraftwerk Jänschwalde in Peitz hat eine installierte elektrische Leistung von 3000 Megawatt. Im Kraftwerk Lippendorf in Böhlen wurden aber zwischenzeitlich technische Maßnahmen zur Minderung durchgeführt und damit die Jahresfracht im Jahr 2011 unter den Wert des Jahres 2008 gedrückt, so der Betreiber.

Die Bedeutung von Kohlekraftwerken im Fokus der Quecksilberstrategie wurde in einem Vortrag und einem Aufsatz anlässlich des 44. Kraftwerkstechnischen Kolloquiums am 23./24.10.2012 in Dresden erörtert. Den Artikel können Sie sich hier herunterladen.

In Deutschland hat das Umweltbundesamt die Belastung von Erwachsenen und Kindern mit Quecksilber in einer repräsentativen Untersuchung anhand von Proben der Umweltprobenbank des Bundes untersucht. Zu dieser europaweiten Untersuchung finden Sie eine aktuelle Presseinformation  auf den Internetseiten des Umweltbundesamtes.

Neben den Informationen in Thru.de, finden Sie weiterführende Informationen zu Quecksilber auch auf den Seiten der Umweltprobenbank.

Ein Interview des Umweltbundesamtes im Deutschlandfunk zur weltweiten Quecksilbersituation können sie hier nachhören.

 

Stand: Februar 2013


Wie viele Betriebe sind in Thru.de?

Von 2007 bis 2010 ist die Zahl der Betriebe von 4448 Betrieben in 2007 auf 4947 Betriebe in 2010 angestiegen. Nur Betriebe bestimmter Industriebranchen, die eine festgelegte Produktionsmenge oder Leistung übersteigen, müssen ihre Schadstoff- und Abfallmengen auf Thru.de veröffentlichen. Sie müssen nur für die Abfälle und Schadstoffe berichten, für die sie festgelegte Mindestmengen überschreiten.


Das Bild zeigt ein Balkendiagramm. Die Höhe der Balken stellt die Anzahl der Betriebe in Thru.de für die Berichtsjahre 2007 bis 2010 dar. Die Anzahl nimmt dabei von 4448 auf 4947 zu.

Die meisten Betriebe in Thru.de - nämlich gut zwei Drittel - entsorgen jährlich mehr als 2 Tonnen gefährlichen Abfall. Immerhin knapp 30 % der Betriebe entsorgen jährlich mehr als 2000 Tonnen nicht gefährliche Abfälle. Etwas weniger Betriebe geben Schadstofffreisetzungen in die Luft an. Schadstoffeinträge in Gewässer und Schadstoffeinleitungen mit dem Abwasser (z.B. in kommunale Kläranlagen) werden von jeweils ca. 10 % der Betriebe angegeben. Die Anzahl der Betriebe mit Schadstoffeinträgen in Gewässer nimmt leicht ab, die Anzahl der Betriebe mit Schadstoffeinleitungen mit dem Abwasser nimmt hingegen eher zu. Der Anteil der Betriebe mit Schadstoffeinträgen in den Boden ist mit nur 0,1 % äußerst gering. Die meisten Betriebe lassen sich nicht nur zu einer, sondern gleichzeitig  mehreren Kategorien zuordnen, zum Beispiel zu gefährlichen Abfällen und Schadstoffemissionen in die Luft. Entsprechend addieren sich die hier angegebenen Prozentzahlen nicht auf 100%, sondern liegen darüber.


Die Grafik zeigt ein Liniendiagramm, in dem die Anzahl der Betriebe, die für die einzelnen Kompartimente  (Abfall gefährlich, Abfall ungefährlich, Freisetzung Luft, Freisetzung Wasser, Verbringung mit dem Abwasser und Freisetzung Boden) Daten angegeben

Die zehn Schadstoffe mit den größten Eintragsmengen in die Umwelt (Luft, Boden, Wasser, Abwasser) sind unsere "Top 10 Schadstoffe". Die Abbildung für 2010 zeigt deutlich, dass für die meisten dieser Schadstoffe "Hauptverursacher" gut erkennbar sind. Unter Hauptverursacher verstehen wir hier Industriebranchen, deren Anteil an einer Schadstoffmenge in Thru.de besonders hoch ist .

So ist etwa der Hauptverursacher für die Kohlendioxidemissionen (CO2) mit großem Abstand die Energiewirtschaft. Für die an Position 2 stehenden Chloride sind es mit fast gleich großen Anteilen die Chemische Industrie und die Mineralverarbeitenden Industrie, gefolgt von den Abfall- und Abwasserbetrieben (hier vor allem den kommunalen Kläranlagen). Anzumerken ist, dass die Chloridmengen dabei sowohl aus Einleitungen in die Gewässer, Freisetzungen in den Boden und mit dem Abwasser verbrachten Schadstoffmengen stammen.

Für die Kohlenmonoxid- (CO-) -Freisetzungen ist der Hauptverursacher die Metallverarbeitende Industrie. Die Mineralverarbeitende Industrie - hier besonders der Kohlebergbau - ist der Hauptverursacher für die Methan-Freisetzungen, dicht gefolgt von der Abfall- und Abwasserbewirtschaftung, hier besonders den Deponien. Die Stickoxid- und Schwefeloxidfreisetzungen stammen wie bei CO2 hauptsächlich aus der Energiewirtschaft, allerdings mit deutlich kleinerem Abstand zu den nächstplatzierten Branchen.

Die Mengen an Gesamtem Organischen Kohlenstoff (TOC), stammen zu einem Großteil aus der Chemischen Industrie, der Lebensmittelindustrie und der Papier- und Holzindustrie. Aber auch die Abfall- und Abwasserbewirtschaftung, besonders die Kläranlagen, hat einen hohen Anteil an den TOC-Mengen. Auch hier wurden für diese Darstellung die Einleitungen in die Gewässer und die mit dem Abwasser verbrachten Mengen gemeinsam betrachtet. Auch bei den Gesamtstickstoffmengen sind die Kläranlagen der Hauptverursacher.

Bei den flüchtigen organischen Verbindungen (NMVOC) hat die Branche Sonstige Industriezweige den größten Anteil. Hierzu zählen Betriebe, die Oberflächen mit Lösungsmitteln behandeln, wie beispielsweise Hersteller von Kraftfahrzeugen, hier vor allem Lackieranlagen. Die Intensivtierhaltung ist mit großem Abstand der Hauptverursacher für Ammoniakemissionen (NH3). Kleinere Anteile haben die Chemische und die Mineralverarbeitende Industrie.


Das Bild zeigt die Schadstoffe mit den größten Mengen in Thrude sowie die dazugehörigen Branchen. Hauptverursacher sind gut zu erkennen und im Text genauer erläutert

Die Top-10-Liste lenkt die Aufmerksamkeit zwar auf die Schadstoffe, von denen durch die Industriebetriebe besonders große Mengen in die Umwelt gelangen. Für weitere Recherchen auf Thru.de lohnt sich aber auch der Blick auf die Schadstoffe, die in ganz geringen Mengen berichtet werden. Dabei handelt es sich oft um besonders problematische Stoffe wie Dioxine und Furane, PCB aber auch Schwermetalle wie Quecksilber oder Cadmium, die bereits in geringen Mengen eine Gefahr für die Umwelt darstellen können.

 

Stand: Dezember 2012


Europäisches PRTR im November 2009 freigeschaltet

Wie Deutschland hat auch die EU ihr Europäisches Schadstofffreisetzungs- und -verbringungsregister (E-PRTR) freigeschaltet. Seit dem 9.11.09 stehen der Öffentlichkeit im Internet unter http://prtr.ec.europa.eu die Schadstofffrachten und Abfallmengen von mehr als 24.000 Betriebseinrichtungen aus den 27 EU Mitgliedstaaten sowie Norwegen, Island und Liechtenstein zur Verfügung. Für das E-PRTR sind dieselben 91 Schadstoffe und 65 Industriezweige berichtspflichtig wie für das deutsche PRTR (siehe auch hier).
Hier finden Sie die Pressemitteilung der EU sowie der Europäischen Umweltagentur zur Freischaltung des E-PRTR.


PRTR-Protokoll im Oktober 2009 in Kraft getreten!

Das PRTR-Protokoll ist am 08.10.09 in Kraft treten, 90 Tage nach Hinterlegung der 16. Ratifikationsurkunde, die von Frankreich am 10.07.09 hinterlegt wurde. Hier finden Sie den aktuellen Ratifikationsstatus, die Ratifikationstabelle sowie die Presseinformation der UNECE.

Die Ratifikation des PRTR-Protokolls verpflichtet die Vertragsstaaten, ein nationales Schadstofffreisetzungs- und -verbringungsregister ("PRTR" - Pollutant Release and Transfer Register) aufzubauen und zu unterhalten. Dabei sind Sie an die Anforderungen des PRTR-Protokolls  gebunden. Deutschland hat das PRTR-Protokoll bereits im August 2007 ratifiziert. Am 03.06.09 wurde das PRTR-Deutschland eröffnet und im Internet freigeschaltet.   Auch die EU hat das PRTR-Protokoll ratifiziert und sich damit verpflichtet, ein EU-weites Register (E-PRTR) aufzubauen. Hierfür mussten die EU-Mitgliedstaaten ihre PRTR-Daten bis 30.06.09 an die EU berichten. Das EU-Register wurde am 9. November 2009 freigeschaltet.


Eröffnungsfeier zum Start des PRTR Deutschland am 03.06.2009 in Berlin

Das PRTR-Deutschland wurde am 03. Juni 2009 eröffnet und im Internet für die Öffentlichkeit freigeschaltet. Parlamentarischer Staatssekretär Michael Müller aus dem Bundesumweltministerium, Staatssekretär Dr. Hans-Bernhard Beus aus dem Bundesinnenministerium in seiner Funktion als Beauftragter der Bundesregierung für Informationstechnik und der Vizepräsident des Umweltbundesamtes Dr. Thomas Holzmann als Gastgeber schalteten das deutschlandweite Schadstofffreisetzungs- und -verbringungsregister gemeinsam frei.
Damit ist ein großer Schritt zu mehr Transparenz bei Umweltinformationen gemacht worden. Jeder Bürger und jede Bürgerin kann sich ab sofort kostenlos und frei zugänglich im Internet über Schadstoffemissionen und entsorgte Abfallmengen in der Nachbarschaft informieren. Gleichzeitig wird durch die Nutzung von Prozessketten bei der Berichterstattung durch die Betriebe und die Qualitätssicherung durch die Behörden ein Beitrag zum Bürokratieabbau geleistet.
In den ersten zwei Wochen nach der Freischaltung wurde das PRTR-Deutschland über 50.000 mal besucht. Hier können Sie sich das Programm der Eröffnungsfeier herunterladen.


Dr. Holzmann, parlamentarischer Staatssekretär Müller und Staatssekretär Dr. Beus beim gemeinsamen Knopfdruck zur Freischaltung des deutschen PRTR am 3.6.09

Dr. Holzmann, parlamentarischer Staatssekretär Müller und Staatssekretär Dr. Beus beim gemeinsamen Knopfdruck zur Freischaltung des deutschen PRTR *


Prämierung der Studierenden von Prof. Christ und Frau Hußlein der Hochschule Anhalt, die am PRTR-Design-Wettbewerb teilgenommen haben, durch Frau Dr. Markard (UBA) am 3.6.09.

Prämierung der Studierenden von Prof. Christ und Frau Hußlein der Hochschule Anhalt, die am PRTR-Design-Wettbewerb teilgenommen haben, durch Frau Dr. Markard (UBA).*


PRTR zum selbst Ausprobieren an einem der 3 Demostände während der Feier.

... und schließlich: PRTR zum selbst Ausprobieren an einem der 3 Demostände während der Feier *

*  © 2009 Eberhard Schorr