Ammoniak aus der Schweinemast - Emissionen weiter auf hohem Niveau

Die übermäßige Freisetzung von Ammoniak in die Umwelt ist ein seit vielen Jahren bekanntes Problem. Nährstoffüberversorgung, Versauerungsprozesse und der Verlust an biologischer Vielfalt in Ökosystemen sind nur einige der Folgen. Der größte Teil des in Deutschland freigesetzten Ammoniaks stammt aus der Landwirtschaft (95 %). Davon kommen 52 % aus der Rinderhaltung und 20 % aus der intensiven Schweinemast.

Zwischen 1990 und 2012 sanken die Ammoniakfreisetzungen aus der Landwirtschaft insgesamt um knapp 22 %. Hauptgrund für die Minderung in diesem Zeitraum waren deutlich gesunkene Tierbestände, da die Tierhaltung in den neuen Bundesländern nach der Wiedervereinigung stark zurück ging. In der Schweinemast ist in den letzten Jahren allerdings ein gegenläufiger Trend erkennbar. Von 2009 bis 2012 stieg die Gesamtzahl der gehaltenen Schweine von 26,8 Millionen auf 28,3 Millionen (Quelle: Statistisches Bundesamt, Wiesbaden 2014, Allg. Erhebung von Viehbeständen, Stand: 15.08.2014). Deutschland ist inzwischen zum Exporteur von Schweinefleisch geworden und produziert deutlich über dem Eigenbedarf.

Eine aktuelle Auswertung der Daten des deutschen Schadstoffregisters PRTR (Pollutant Release and Transfer Register) hat ergeben, dass sich diese Entwicklung auch bei den freigesetzten Ammoniakmengen aus großen Schweinemastbetrieben erkennbar widerspiegelt, ebenso wie in den Berichten zu den internationalen Luftreinhalteverpflichtungen (siehe Abbildung 1). Im Schadstoffregister PRTR sind alle Schweinemastbetriebe Deutschlands erfasst, die mindestens 2.000 Mastschweine (ab 30 Kilogramm Gewicht) oder mindestens 750 Sauen halten und den gesetzlich festgelegten Schwellenwert von 10 Tonnen Ammoniak pro Jahr überschreiten. Die Betriebe sind gesetzlich dazu verpflichtet, beim Überschreiten des Schwellenwertes zuständige Behörden zu informieren. Diese Werte werden dann auf dem deutschen PRTR-Portal www.thru.de veröffentlicht. 


Abb. 1: Ammoniakmengen aus der Schweinemast im deutschen PRTR (2007-2012)

Die Daten zeigen, dass die freigesetzten Ammoniakmengen aus großen Schweinemastbetrieben von 2007 bis 2012 von 5.140 Tonnen auf 8.302 Tonnen angestiegen sind. Auch die Anzahl der Betriebe, die den Schwellenwert von 10 Tonnen pro Jahr überschreiten, stieg in diesem Zeitraum von 268 auf 403 deutlich an.

Die mit Abstand meisten berichtspflichtigen Schweinemastbetriebe (im Jahr 2012) liegen in Niedersachsen (87), gefolgt von Sachsen-Anhalt (56), Mecklenburg-Vorpommern (52), Nordrhein-Westfalen (50), Sachsen (50), Thüringen (48) und Brandenburg (44). Aus Süddeutschland sind aufgrund der eher kleinbäuerlichen Agrarstruktur nur sehr wenige Betriebe verpflichtet, ihre Emissionen ins PRTR zu melden.

Die Bundesregierung plant, mit der anstehenden Novelle der „Technischen Anleitung zur Reinhaltung der Luft“ (TA Luft) für genehmigungsbedürftige Schweinemastbetriebe (mit mehr als 2.000 Tierplätzen) die Abluftreinigung verbindlich vorzuschreiben. Mit einer entsprechenden Einrichtung, die oft eine Kombianlage mit Wasserwäscher, Säurewäscher und Rieselbettfilter ist, werden nicht nur Ammoniakfreisetzungen erheblich vermindert (mindestens um 70 %), sondern auch Gerüche und Stäube. Deutschland muss zusätzliche Maßnahmen zur Senkung der Ammoniak-Emissionen ergreifen, weil die in der europäischen NEC-Richtlinie (Richtlinie über nationale Emissionshöchstmengen) festgelegte nationale Emissionshöchstmenge von 550.000 t im Jahr nicht sicher eingehalten werden kann. Die EU-Kommission hat daher ein Vertragsverletzungsverfahren gegen Deutschland eingeleitet. Das Verfahren befindet sich derzeit noch in der Anfangsphase, in der zunächst einmal detaillierte Informationen über den Ist-Zustand und das geplante weitere Vorgehen geliefert und von der EU-Kommission geprüft werden. Für die Zeit ab 2020 hat die EU-Kommission ehrgeizigere Ziele zur Minderung der Emissionen von Ammoniak und anderen Luftschadstoffen vorgeschlagen, was weitere effiziente Minderungsmaßnahmen erfordern würde. Die Verhandlungen darüber sind jedoch noch im Gange.

 


Lesen Sie zur Ammoniak-Minderung auch eine aktuelle Pressemitteilung des Umweltbundesamtes.

 

Stand: September 2014